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Warum Entwicklungsgespräche mehr sind als Pflicht
Entwicklungsgespräche stehen bei vielen Erzieherinnen und Erziehern nicht gerade auf Platz eins der Lieblingstermine. Zu viel Vorbereitung, zu wenig Zeit, manchmal auch Bammel vor schwierigen Themen. Dabei können diese Gespräche die Arbeit mit den Kindern richtig voranbringen. Dabei sind diese Gespräche eigentlich eine echte Chance. Sie sind die Grundlage für eine gute Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern und helfen dir, jedes Kind individuell zu fördern.
Ein Entwicklungsgespräch ist ein geplanter, strukturierter Austausch über die Entwicklung eines Kindes in deiner Kita. Es findet in ruhiger Atmosphäre statt und hat ein klares Ziel: Du und die Eltern gleicht eure Beobachtungen ab, benennt gemeinsam Stärken und Entwicklungspotenziale und legt konkrete Förderziele fest. Das Ganze basiert auf deinen systematischen Beobachtungen und der Entwicklungsdokumentation.

Der Orientierungsplan Baden-Württemberg sieht vor, dass du mindestens einmal jährlich ein solches Gespräch führst. Aber es geht nicht nur ums Abhaken einer Pflicht. Es geht darum, dass ihr zusammen die bestmögliche Unterstützung für das Kind plant.
Entwicklungsbögen: Deine Grundlage für den Austausch
Bevor du ins Gespräch gehst, brauchst du eine solide Basis. Hier kommen die Entwicklungsbögen ins Spiel. Sie sind Instrumente zur systematischen Beobachtung und Dokumentation. Du erstellst sie meist bei Eintritt des Kindes in die Kita und aktualisierst sie regelmäßig, in der Regel halbjährlich.
Es gibt zahlreiche Verfahren, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen:
Ravensburger Entwicklungsbogen: Dieser ganzheitliche Bogen wird in vielen Kitas genutzt und meist zweimal pro Jahr ausgefüllt. Er deckt Bereiche wie Sozialverhalten, emotionale Entwicklung, Sprache, Kreativität, Spielverhalten und körperliche Entwicklung ab. Durch gezielte Beobachtung entsteht ein objektives Bild des Kindes, das die Basis für eure Gespräche liefert.

Grenzsteine der Entwicklung: Ein Screeningverfahren für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren. Die Bögen dokumentieren leicht verständlich, welche Fähigkeiten ein Kind bereits beherrscht, und helfen dir, frühzeitig Förderbedarf zu erkennen. Seit 2023 liegt eine überarbeitete Fassung vor.
Kuno Bellers Entwicklungstabelle: Diese Tabelle richtet sich an Kinder von der Geburt bis zum Ende des 9. Lebensjahres und beschreibt systematische Entwicklungsveränderungen in acht Bereichen über 18 Phasen. Du beobachtest im pädagogischen Alltag, ein zweiter Beobachter wird empfohlen, um die Objektivität zu erhöhen.
Sprachbeobachtungsbögen (IFP): Sismik für Migrantenkinder, Seldak für deutschsprachig aufwachsende Kinder und Perik für die sozial-emotionale Entwicklung. Sie erfassen spezifische Kompetenzbereiche und bieten dir konkrete Förderhinweise.
Wichtig dabei: Deine Beobachtungen sollten sachlich und frei von Vorurteilen sein. Am besten füllst du die Bögen zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus, um subjektive Wahrnehmungen auszugleichen. Die Kombination von Skalen und qualitativen Notizen gilt als best practice.
Übrigens: Digitale Lösungen wie die Bildungsdokumentation von Famly können dir helfen, deine Beobachtungen strukturiert zu erfassen und für Gespräche griffbereit zu haben.
The big ideas

So bereitest du das Entwicklungsgespräch vor
Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Lade die Eltern rechtzeitig ein, sammle deine Beobachtungen, nutze die Entwicklungsbögen und dein Portfolio und skizziere den Gesprächsablauf. Suche einen geeigneten Raum, der eine vertrauliche Atmosphäre ermöglicht. Die Vorbereitung soll eine positive Stimmung fördern, damit auch schwierige Themen offen angesprochen werden können.

Typische Themen, die du ansprechen kannst: Tagesablauf, Entwicklungsstand und Wohlbefinden des Kindes, Motorik, Sprache, emotional-soziales Verhalten, Interessen, Stärken und Talente, Spielverhalten, Selbstständigkeit und besondere Förderbedarfe wie Sprachförderung.
Der Gesprächsablauf: Struktur hilft allen
Ein gutes Entwicklungsgespräch folgt einer klaren Struktur:
1. Begrüßung und Zielklärung: Starte mit etwas Small Talk und benenne dann die Gesprächsstruktur. So wissen alle, was kommt.
2. Austausch von Beobachtungen: Du stellst deine Beobachtungen vor, gerne unterstützt durch Portfolio oder Fotos. Dann schildern die Eltern ihre Wahrnehmungen. Hier zeigt sich: Ihr seid gleichberechtigte Partner.
3. Stärken und Herausforderungen: Gemeinsam hebt ihr Stärken heraus und benennt Entwicklungsfelder. Eine bewährte Methode ist die "Sandwich-Technik": Positives an den Anfang und das Ende stellen, herausfordernde Inhalte in der Mitte platzieren.
4. Ziele und Vereinbarungen: Legt konkrete Förderziele, Absprachen und Verantwortlichkeiten fest. Was macht die Kita, was übernehmen die Eltern?
5. Zusammenfassung und Abschluss: Fasse das Gespräch kurz zusammen, hole Feedback ein und vereinbare den nächsten Termin.
Wichtig für den gesamten Verlauf: Wertschätzung, Empathie und Authentizität. Höre aktiv zu, verwende eine klare und verständliche Sprache und gib den Eltern genug Raum für eigene Beiträge. Das Entwicklungsgespräch ist kein Problemtalk, sondern ein wertschätzender Austausch über Interessen, Stärken, Herausforderungen und Wünsche des Kindes.
Lernentwicklungsgespräch: Der nächste Schritt in der Schule
Vielleicht fragst du dich, wie es nach der Kita weitergeht. In mehreren Bundesländern, vor allem in Bayern, kann das traditionelle Zwischenzeugnis in den Grundschulklassen 1 bis 3 durch ein dokumentiertes Lernentwicklungsgespräch ersetzt werden. Seit 2020/21 ist dies in Bayern auch für das Jahreszeugnis der Klassen 1 und 3 möglich.

Der große Unterschied zum Entwicklungsgespräch in der Kita: Das Kind ist aktiv beteiligt. Lehrkraft, Schüler und Erziehungsberechtigte nehmen teil. Die Gespräche finden außerhalb der Unterrichtszeit statt, dauern etwa 30 bis 45 Minuten und sind für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend.
Statt einer Note werden Stärken, Lernfortschritte und Entwicklungspotenziale thematisiert. Das Gespräch soll die Selbstreflexion des Kindes fördern und ihm ermöglichen, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. Die gleichberechtigte Einbindung des Kindes erhöht die Motivation. Es erlebt, dass seine Meinung zählt und kann eigene Ziele formulieren.
Die Vorbereitung läuft ähnlich wie in der Kita: Lehrkräfte füllen einen Beobachtungsbogen aus, das Kind einen Selbsteinschätzungsbogen. Im Gespräch werden die Einschätzungen verglichen, Stärken hervorgehoben und konkrete Ziele für die nächsten Monate vereinbart. Das Protokoll enthält die Einschätzung der Lehrkraft, die Selbsteinschätzung des Kindes, die vereinbarten Ziele und die Unterschriften aller Beteiligten.
Praktische Tipps für deinen Alltag
- Dokumentiere kontinuierlich: Aktualisiere deine Entwicklungsbögen regelmäßig, meist halbjährlich. So hast du immer einen aktuellen Stand.
- Arbeite im Team: Fülle Bögen wenn möglich mit Kolleginnen und Kollegen aus, um verschiedene Perspektiven einzubeziehen.
- Nutze dein Portfolio: Lerngeschichten, Fotos und Werke der Kinder illustrieren im Gespräch die Fortschritte anschaulich.
- Schaffe eine gute Atmosphäre: Ein ruhiger Raum, genug Zeit und eine wertschätzende Haltung machen den Unterschied.
- Protokolliere die Vereinbarungen: Halte fest, welche Förderziele ihr vereinbart habt und wer wofür verantwortlich ist. So können beide Seiten nachlesen, was besprochen wurde.
Entwicklungsgespräche als Chance nutzen
Entwicklungsgespräche sind weit mehr als eine Pflichtübung. Sie sind deine Chance, gemeinsam mit den Eltern das Beste für jedes Kind herauszuholen. Mit den richtigen Entwicklungsbögen, guter Vorbereitung und einer klaren Struktur werden diese Gespräche zu wertvollen Momenten des Austauschs.
Und wenn das Kind später in die Schule kommt, geht es im Lernentwicklungsgespräch weiter. Der rote Faden bleibt: individuelle Förderung statt Schubladen, Stärken statt nur Defizite, gemeinsame Ziele statt Einbahnstraße.
Also: Nimm dir die Zeit, bereite dich gut vor und gehe mit Zuversicht ins nächste Gespräch. Die Eltern werden es dir danken, und vor allem profitieren die Kinder davon.
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