Erfolgsstory

Erfolgsstory: Kita WaRum

Wie eine neue Kita in Frankfurt von Anfang an auf digitale Prozesse gesetzt hat – und warum das Team heute nicht mehr zurück will.

12/6/2026

Lesezeit: 8 min.

Manchmal braucht es einen Neuanfang, um wirklich etwas zu verändern. Für Tamara Bogun war es der Wechsel in eine neue Einrichtung. Für Paulina Franz war es ihr erster Tag in einer Kita, in der die Dinge einfach anders gemacht wurden. Und für Yannik Freund war es ein iPad, das ihm jemand in die Hand gedrückt hat – ohne große Erklärung, ohne Schulung. Er hat einfach losgelegt.

Willkommen in der Kita WaRum. Seit August 2023 betreibt der Internationale Bund (IB) Südwest mitten in Frankfurt eine Einrichtung, die von Anfang an auf eines setzte: kein Stillstand.

Eine Kita, die nicht ins Schubladendenken passt

Die Lage ist ungewöhnlich. Mittendrin in der Stadt – und doch zurückgesetzt genug, um den Großstadtlärm hinter sich zu lassen. Die Kinder kommen aus fast allen Stadtteilen rund um Frankfurt, viele aus unterschiedlichen Kulturen und familiären Hintergründen. Sie treffen sich hier, lernen sich kennen, wachsen miteinander auf. Nicht selten das erste Mal, dass sie aufeinandertreffen.

Eine Frau zeigt zwei kleinen Jungen in einem hellen Raum ein Tablet. Die Kinder wirken neugierig und interessiert, während die Atmosphäre warmherzig und lehrreich ist.

Das Team, das sie begleitet, ist jung, divers – und bewusst darauf ausgelegt, Dinge auszuprobieren. „Wir haben keinen Stillstand“, sagt Tamara, die aus einer anderen Kita des IB kam, um die WaRum von Beginn an mit aufzubauen. „Wir versuchen immer aktuell zu sein. Ob es neue Angebote für die Kinder sind, neue Projekte oder eben auch die Tools, mit denen wir arbeiten.“ Famly gehört seit der Eröffnung dazu.

Drei Bücher, ein Telefon, viel Papier

Tamara kennt beide Welten. Bevor die Kita WaRum eröffnete, arbeitete sie jahrelang analog – und erinnert sich genau, was das bedeutete.

„Wir hatten ein Wickelprotokoll, ein Gruppenbuch und eine Anwesenheitsliste. Drei verschiedene Bücher, in die wir alles eingetragen haben. Das Telefon klingelte ständig, weil Eltern angerufen haben, um ihr Kind abzumelden oder kurz nachzufragen oder Bescheid zu geben, dass jemand anderes zum Abholen kommt.“

Dazu kamen die Fotos. Damals noch mit Digitalkameras aufgenommen, dann entwickeln lassen, ausdrucken, ausschneiden, in Portfolios kleben. „Das kann man sich heute kaum noch vorstellen“, sagt Tamara. „Aber das war einfach Alltag.“ Ein Alltag, der viel Zeit gekostet hat. Zeit, die eigentlich für die Kinder da sein sollte.

„Vorher hatten wir sehr viel Papierkram mit verschiedensten Stellen, an denen wir analog arbeiten mussten. Seit der Umstellung auf Famly ist alles auf einem Blick – und die Eltern haben viel besseren Einblick.“

— Tamara Bogun, Erzieherin

Einfach loslegen

Paulina Franz kam mit einem gesunden Respekt vor der neuen App. Sie hatte zuvor in einer sehr analogen Einrichtung gearbeitet und wusste, was es bedeutet, fünf Listen parallel zu führen. Dass jetzt noch ein digitales Tool dazukommen sollte, war erst einmal eine Ansage.

„Ich hatte am Anfang ein bisschen Bedenken und auch Bauchschmerzen. Wie soll das werden?“, erinnert sie sich. „Aber ich bin sehr schnell reingekommen. Es braucht keine große Einarbeitung, weil es kinderleicht erklärt ist.“

Was ihr geholfen hat: Das Team nutzte Famly bereits. Sie konnte zusehen, wie andere damit arbeiteten, bevor sie selbst loslegen musste. Und weil sich die App ein bisschen anfühlt wie die sozialen Medien, die man ohnehin kennt, war der Einstieg weniger Sprung als Schritt.

„Famly war ganz intuitiv. Ich kenne natürlich schon andere soziale Medien – und so hat sich das alles ganz natürlich angefühlt.“

— Paulina Franz, Erzieherin

Digitale Bildungsdokumentation

Halte große Momente fest

So geht’s mit Famly

Ähnlich erging es Yannik Freund, dem Sport- und Bewegungspädagogen der Kita. Er baut Bewegungslandschaften in der Turnhalle, ist meist nicht in der Gruppe – und bekommt über Famly trotzdem eine Verbindung zu den Eltern, die er sonst kaum hätte. „Ich habe das iPad einfach in die Hand gedrückt bekommen und habe dann direkt den ersten Post geschrieben. Ich brauchte keine Erklärung dafür.“

Transparenz jenseits der Gruppengrenze

Yannik ist ein gutes Beispiel für etwas, das in der Kita WaRum bewusst gelebt wird: Famly ist kein Tool nur für die Gruppenerzieherinnen. Es verbindet das gesamte Team mit den Familien – auch dort, wo der persönliche Kontakt schwieriger ist.

„Sonst hätten die Eltern keinen Einblick in die Turnhalle“, erklärt Yannik. „Ich kann durch die App trotzdem zeigen, was wir dort machen. Und wenn ich nach einem Ausflug etwas poste, können die Eltern direkt per Nachricht reagieren oder Fragen stellen.“

Erzieherinnen, die an einem Desktop-Computer arbeiten, auf dem die Famly-App auf dem Startbildschirm geöffnet ist.

Der persönliche Austausch bleibt trotzdem. Individuelle Geschichten erzählt er oft noch zwischen Tür und Angel. Aber der Überblick, der sonst fehlen würde – den schafft die App. Auch intern läuft Vieles über Famly. Das tägliche „Daily Date“ – ein Post mit allen wichtigen Infos für den Tag – sorgt dafür, dass alle auf demselben Stand sind.

Als die Türen zugemacht werden mussten

Tamara erinnert sich an einen Moment, in dem Famly seinen Wert besonders deutlich gezeigt hat. Die Kita startete mit Famly – mitten in der Pandemie. Eltern durften plötzlich nicht mehr in die Einrichtung.

„Alle Eltern konnten nicht mehr in die Kita – durften nicht mehr rein. Und trotzdem hatten sie einen Einblick, weil wir ganz viel nach draußen geben konnten. Das haben viele Eltern sehr positiv empfunden.“

„Die Kommunikation mit den Eltern ist besser geworden. Es gibt immer noch den persönlichen Austausch – aber wir haben jetzt auch jederzeit die Möglichkeit, Dinge kurz nachzufragen oder mitzuteilen, ohne zum Hörer zu greifen.“

— Tamara Bogun, Erzieherin

Kein Zurück

Tamara war anfänglich skeptisch. Digitales war nicht ihr Ding. Sie dachte, das iPad würde ständig im Weg sein, die Kinder ablenken, seltsam wirken vor den Eltern.

„Ganz am Anfang dachte ich: Okay, ich trage jetzt immer dieses riesige iPad mit mir rum. Wie wirkt das nach außen?“ Diese Bedenken sind schnell gewichen. Heute ist das Gerät so selbstverständlich wie früher das Klemmbrett. Auch für die Kinder ist es normal.

Und wenn sie heute gefragt wird, was sie an Famly am meisten schätzt, fällt ihr die Antwort schwer – nicht weil ihr nichts einfällt, sondern weil zu viel davon abzuhängen scheint.

„Sich auf eine Sache zu beschränken ist schwierig. Für mich sind drei Dinge bei Famly wichtig: die Anwesenheit der Kinder, die Nachrichtenfunktion mit den Eltern und das Schreiben der Lerngeschichten.“

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